Bericht zur Jahreshauptversammlung Stadtverband Buchen am 29.01.2026 in Götzingen

Jahreshauptversammlung der Freien Wähler Stadtverband Buchen e. V. am 29.01.2026 im Rathaus Götzingen mit Neuwahlen

mh.Buchen. Die Jahreshauptversammlung der Freien Wähler Stadtverband Buchen wird oftmals zum Anlass genommen, Unternehmen und Einrichtungen im Buchener Stadtgebiet zu besichtigen. Wie eine Lebensmittel-Nahversorgung in Gemeinden funktioniert, in denen es keinen „normalen“ Laden mehr gibt, wurde den Freien Wählern eindrucksvoll im Dorfladen „Tante M“ in Götzingen gezeigt. Ortsvorsteher Kai-Christoper Rösch und sein Stellvertreter Jürgen Türschel informierten ausführlich und engagiert über diese Einkaufsmöglichkeit, die im September 2024 offiziell eröffnet wurde. Über 1200 Artikel des täglichen Bedarfs, inklusive regionale Back- und Fleischwaren, können an allen Wochentagen, auch sonntags, von 5 bis 23 Uhr im 55 Quadratmeter großen Container eingekauft werden. Bezahlt wird bargeldlos mit EC-Karte – doch auch an Kinder wurde gedacht, die im Sommer selbst ein Eis kaufen wollen: Hier hilft die personalisierte Kundenkarte, die immer wieder aufgeladen werden kann. „Wir kommen ohne Verkaufspersonal aus“, so Türschel, gleichzeitig auch Vorstand der Genossenschaft Dorfladen Rinschbachtal. Lediglich rund zwei Stunden pro Werktag seien für die Nachbestückung der Regale und für Reinigungsarbeiten notwendig. Tante M in Götzingen ist, hier war man sich einig, eine wichtige Einrichtung vor Ort und könne anderen Gemeinden als „leuchtendes Beispiel“ dienen.

Beim anschließenden Ortsrundgang erläuterte Ortsvorsteher Rösch verschiedene Einrichtungen und  Bautätigkeiten, wie beispielsweise die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses, eine Freiflächen-Photovoltaikanlage in Richtung Eberstadt, die noch in diesem Jahr eingeweiht werden soll sowie die bevorstehende Sanierung der Rathausfassade.

Die Jahreshauptversammlung für das Jahr 2025 fand dann im Vereinsraum des Götzinger Rathauses statt. Erster Vorsitzender Peter Bauer eröffnete die Jahreshauptversammlung mit der Begrüßung und Gedenkminute für verstorbene Mitglieder. Ein Urgestein der Freien Wähler, Heinz Kälberer aus Ludwigsburg, war im Januar im Alter von 83 Jahren verstorben. Den Reigen der Geburtstage führte Herbert Wiese mit 75 Jahren an, gefolgt von Rolf Gremminger und Andreas Rudolf (65 Jahre) und Volker Egenberger (55 Jahre). Das vergangene Jahr stellte Bauer unter das Motto „Ruhephase nach der Wahl und Konsolidierung“. In seinem Jahresrückblick erinnerte er an verschiedene Termine wie unter anderem der Besuch von Gesundheitsministerin Nina Warken beim OKW in Buchen, das Jahresstarttreffen im Baker’s World in Buchen, der Ehrungsabend des Kreisverbandes in Heidersbach – hier wurde der langjährige Fraktionsvorsitzende Martin Hahn mit der Ehrenmedaille in Silber des Landesverbandes geehrt. Abschluss war die Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes in Osterburken. Er dankte seinen Mitstreitern für die gute Zusammenarbeit.

Der Rückblick von Kassier Klaus Roos begann eher düster, die Kommunalwahl 2024 hätte das Ersparte aufgezehrt. Glücklicherweise konnte er seinen Bericht jedoch durchaus positiv abschließen – die eingegangenen Spenden der Mitglieder hätten für nun wieder solide Finanzen gesorgt. Nachdem die beiden Kassenprüfer Volker Egenberger und Herbert Wiese eine tadellose Kassenführung bescheinigt hatten, erfolgte die Entlastung der Kasse und der Vorstandschaft einstimmig.

Die anschließenden Neuwahlen brachten folgende Ergebnisse mit wenig Überraschungen: 1. Vorsitzender Peter Bauer, 2. Vorsitzender Christian Ferenc, Schriftführerin Kathrin Klohe, Kassenwart Klaus Roos, Kassenprüfer Volker Egenberger und Herbert Wiese, Beisitzer Dr. Wolfgang Schäfer, Roland Mackert, Christian Phillip, Fritz Bopp, Martin Hahn, Magnus Brünner, Manfred Röckel, Hubert Kieser, Rolf Gremminger, Maria Bopp, Monika Becker und Alexander Slepkowitz.

Die Versammlung freute sich besonders über den Besuch vom neuen Kreisverbandsvorsitzenden Volker Rohm – er bildet zusammen mit Stefan Groth und Rosi Zöller die neue Kreisspitze der Freien Wähler. Sein Dank galt seinem Vorgänger Herberich für seine geleistete und äußerst engagierte Arbeit. Rohm, von 2014 – 2022 Bürgermeister von Hardheim, sieht es als seine Aufgabe, den Kontakt zu sämtlichen freien Bürgerlisten, neben den eigentlichen Freien Wählern, auszubauen. Die Umstrukturierung der Neckar-Odenwald-Kliniken sei das momentane Hauptthema. Man dürfe die beiden „Altkreise“ nicht gegeneinander aufbringen, übertriebene Emotionen seien hier fehl am Platze – ein sachlicher und zielorientierter Umgang wäre anzuraten. Er gehe davon aus, dass das Thema „Transparenz“ für die Bevölkerung bei den Verantwortlichen der Landkreisverwaltung und der Kliniken eine sehr große Rolle spielen werde. Er ging auch auf ein bisher nie da gewesenes Dilemma ein, dass Gemeinden keine Bürgermeisterkandidaten mehr finden würden. Knappe Finanzen und somit wenig kreative Spielräume gepaart mit hohen zeitlichen Anforderungen und in jüngster Zeit immer häufigeren Anfeindungen „unter der Gürtellinie“, oftmals im Schutze der Anonymität vor allem in Sozialen Medien, mache dieses Amt immer weniger attraktiv. Bezüglich der Finanzen sei es für Landkreis und Kommunen wichtig, interne Sparmöglichkeiten auszuloten. Rohm versicherte, für Ideen und Vorschläge für seine Arbeit immer offen zu sein – gemeinsame Aktivtäten der Kreis-FW sollten nach Möglichkeit auch immer für die ganze Familie sein.

Kreisrat Hubert Kieser griff das Thema „Finanzen“ nochmals auf: Im Laufe dieses Jahre  würden die Rücklagen des Neckar-Odenwald-Kreises, die Anfang 2024 noch 24 Mio. Euro betragen hätten, Ende dieses Jahres aufgebraucht sein. Unter anderem auch weil die Ausgaben für Soziales in den vergangenen vier Jahren massiv gestiegen seien, vom Abschluss 2022 mit 67 Mio. auf geplante 96 Mio. Euro in 2026. Aufgaben würden von oben nach unten „weitergereicht“, ohne dass es die dafür notwendigen finanziellen Mittel gäbe. Mit dem Konnexitätsprinzip, wer bestellt der zahlt, habe dies wenig zu tun.

Weiter ging Kieser auf die Kliniken ein. Nach den wirtschaftlich erfolgreichen Umstrukturierungen der Kliniken 2019/2020 hat sich das Defizit mittlerweile auf jährlich 10-12 Mio. Euro summiert. Daran dürfte laut Kieser die vom Bund beschlossene Krankenhausreform wenig ändern – die Krankenhäuser sind unterfinanziert und vom Kreis seien diese Defizite auf Dauer nicht auszugleichen. Das beauftragte Gutachten hatte, so der Kreisrat weiter, die Konzentration auf einen Standort empfohlen, um die Fachkompetenzen zu bündeln und die Versorgungsqualität für die Bevölkerung insgesamt zu verbessern. Die „harten Fakten“ würden für den Ausbau des Standortes Buchen sprechen, eine Schließung dieses Standortes würde für die Bewohner im Einzugsbereich eine Versorgungslücke bedeuten, die auch von der zuständigen Krankenhausplanung des Landes nicht akzeptiert werden könnte. Bleibt also die Frage, ob und welche Einrichtungen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu einer adäquaten Grundversorgung flächendeckend als Ergänzung geschaffen werden könnten. Das Gutachten enthält dazu Vorschläge, die noch auf Realisierbarkeit geprüft werden müssten. Man befinde sich in einem Prozess, in dem noch weitere Ideen geprüft würden. Entscheidungen seien noch nicht getroffen, allerdings dränge die Zeit, so Hubert Kieser abschließend.

Der Fraktionsvorsitzende Manfred Röckel konnte dies leider auch für die Stadt Buchen feststellen, die finanziellen Spielräume seien weitestgehend erschöpft. Bei einem Gesamthaushalt von 60 Mio. Euro würden alleine 14 Mio., also über 20%, für Personalkosten anfallen, Tendenz steigend. Diese seien somit stärker als erwartet gestiegen. Hinzu kämen gestiegene Kosten für Bau und Werterhalt sowie der Kreisumlage. Vor diesem Hintergrund haben die Freien Wähler eine Haushaltsklausur des Gemeinderates angeregt. Auch bei den Feuerwehren, den Friedhöfen und den Ortschaftsverwaltungen stünden hohe Investitionen an – hier dürfe es keine Denkverbote geben und man müsse sich Gedanken über sinnvolle Zusammenlegungen machen. Diese „Unstimmigkeiten“ seien auch der Grund dafür gewesen, dass die FW beim Haushaltsentwurf nicht einstimmig votiert hätten. Abschließend zeigte sich Röckel erfreut darüber, dass die Freien Wähler im Buchener Gemeinderat „gut aufgestellt“ seien und man sich somit für das Wohl der Stadt stark machen könne. Abschließend bedankte er sich bei seinen Fraktionsmitgliedern und der gesamten Vorstandschaft, insbesondere beim Vorsitzenden Peter Bauer, für die hervorragende Zusammenarbeit. Zum Schluß ging Bauer noch auf einige Termine für das laufende Jahr ein: Neben dem „Freie Wähler Tag“ Ende April in Leinfelden-Echterdingen ist eine Fahrradtour sowie eine Orchideen-Wanderung geplant. Abschließend bedankte er sich bei Kai-Christoper Rösch und Jürgen Türschel für die interessanten Beiträge.